An diesem milden Frühlingsnachmittag zeigte sich das Weintinger Hölzl von seiner lebendigsten Seite. Die Sonne stand warm zwischen den Bäumen, und eine kleine Gruppe, überwiegend Frauen, begleitet von einem jungen Mann, machte sich auf den Weg zu einer besonderen Form des Innehaltens: einer Gehmeditation zum 8. März.
Schon nach den ersten Schritten wurde klar, dass der Wald an diesem Tag mehr war als Kulisse. Er war Begleiter, Lehrmeister und stiller Gastgeber. Überall regte sich neues Leben. Zwischen den letzten Blättern des Winters schoben sich Kleeblätter hervor, Farne entrollten ihre ersten Spiralen, Brombeerranken tasteten sich ins Licht, und kleine Veilchen setzten violette Farbtupfer in den Waldboden. Der Duft von Harz lag in der Luft, warm und süß, und die Teilnehmenden berührten die glänzenden „Tränen“ der Bäume, ein Moment, der die Sinne schärfte und die Aufmerksamkeit auf das Wesentliche lenkte.
Auch die Tierwelt zeigte sich geschäftig. An den Baumrinden wimmelten Spinnen, Käfer und andere winzige Waldbewohner, die unbeeindruckt von der menschlichen Stille ihrer Arbeit nachgingen. Und als humorvolle Randnotiz wurde sogar ein „Flugsaurier“ gesichtet – ein geflügelter Winzling, der sich bei genauerem Hinsehen als besonders selbstbewusste Mücke entpuppte. Der Wald nahm’s gelassen, die Gruppe auch.
Zwischendurch entstand eine kleine botanische Diskussion: War der Farn ein Gruß aus einem Märchenwald oder ein Relikt aus der Zeit der Dinosaurier? Die Natur ließ beide Deutungen zu und schenkte Raum für Fantasie und Staunen.
Besonders still wurde es, als die Gruppe ein kleines Stück „Zauberwald“ erreichte, ein unscheinbarer Abschnitt am Wegrand, der plötzlich eine eigene Atmosphäre entfaltete. Die Schritte wurden leiser, der Atem ruhiger, und für einen Augenblick schien die Zeit stillzustehen. Das Vogelgezwitscher wurde intensiver, fast wie ein Chor, der den Moment trug. Zwei Rehe kreuzten den Weg, als wollten sie diesen Nachmittag mit einem stillen Gruß segnen.
Der Abschluss mit sanften Klängen brachte die Gruppe schließlich wieder ganz zu sich selbst. Erdend, beruhigend, verbindend, ein leiser Ausklang, der die Eindrücke des Weges sammelte und im Herzen verankerte.
So wurde dieser 8. März zu einem besonderen Nachmittag: achtsam, naturverbunden und voller kleiner Wunder. Ein Weg, der zeigte, wie viel Kraft im gemeinsamen Gehen liegt und wie viel Weisheit im Wald.



